2. Clickball Open Stuttgart: Wenn der Spin Doctor nicht spinnen darf

7. Juli 2026 | Nico Klar

Nach einem Jahr Pause war es endlich wieder so weit: Bei der TSV Georgii Allianz wurden erneut die einheitlichen Schleifpapier-Schläger ausgepackt, die Spinreserven auf null gesetzt und die Nerven auf Betriebstemperatur gebracht. Die 2. Clickball Open Stuttgart standen an – und schnell zeigte sich: Auch ohne Spezialbeläge, Materialvorteile und Rotationstricks kann Tischtennis ganz schön kompliziert werden.

Gespielt wurde zunächst in zwei Gruppen, und schon früh wurde klar, dass Clickball seine ganz eigenen Gesetze hat. Was im normalen Tischtennis nach Favoritenrolle aussieht, muss am Schleifpapier-Schläger noch lange nichts bedeuten. Der beste Beweis: Beton Mischa (Michi) bezwang Jan-Ove Noppner (Raphael), obwohl zwischen beiden im regulären Tischtennis über 400 TTR-Punkte liegen. Clickball ist eben nicht nur Tischtennis mit anderen Schlägern – es ist ein kleines Paralleluniversum.

Den ersten großen Krimi gab es direkt zu Beginn. Der Peitscher (Nico M.) und Deepu (Pradeep) lieferten sich ein Auftaktspiel, das länger dauerte als bei anderen gleich drei Begegnungen zusammen. Über 50 Minuten kämpften sich beide durch lange Ballwechsel, abgewehrte Matchbälle und emotionale Wendungen. Deepu rettete sich im zweiten Satz mehrfach spektakulär, musste sich am Ende im Entscheidungssatz aber doch knapp geschlagen geben.

Auch sonst zeigte sich: Clickball ist anstrengender, als es auf den ersten Blick klingt. Besonders Nicht bewegen (Marco) musste feststellen, dass sein Kampfname in dieser Sportart eher als Warnhinweis denn als Erfolgsrezept zu verstehen ist. Denn wer sich bei langen Ballwechseln tatsächlich nicht bewegt, merkt ziemlich schnell, dass der Ball leider selten von allein zurückkommt.

Für die schönste Spielweise des Tages sorgte Kai Hawaii (Kai). Zwar blieb das Hawaii-Hemd diesmal im Schrank – ebenso wie die Badehose von früheren Vereinsmeisterschaften –, dafür war er sportlich umso auffälliger unterwegs. Mit mutigem Angriffsspiel und sauberem Timing gelang ihm etwas, woran viele andere an diesem Tag scheiterten: wirklich schön offensiv Clickball zu spielen. Ästhetisch war Kai Hawaii damit ganz vorne dabei, modisch diesmal eher undercover.

Am Ende führte sein Weg verdient bis ins Finale. Dort wartete Jan-Ove Noppner (Raphael), der im Turnierverlauf eine bemerkenswerte Entwicklung hinlegte. Zu Beginn versuchte auch er sich noch im Angriffsspiel – allerdings mit überschaubarem Erfolg. Rechtzeitig stellte er seine Taktik um, setzte mehr auf Defensive, Sicherheit und Geduld, und genau das sollte sich auszahlen. Im Finale entwickelte sich ein spannender Schlagabtausch, den Jan-Ove schließlich mit 2:1 für sich entschied. Damit sicherte er sich den begehrten goldenen Alligator und den Titel bei den 2. Clickball Open Stuttgart.

Auch Spin Doctor (Vineet) spielte erneut ein starkes Turnier. Nachdem ihm der Turniersieg schon bei der ersten Auflage verwehrt geblieben war, blieb auch diesmal der ganz große Triumph im Einzel aus. Durchsetzen konnte er sich aber dennoch – und spätestens im Doppel sollte seine Stunde schlagen. Dort trat Spin Doctor gemeinsam mit Deepu (Pradeep) an. Vater und Sohn bildeten ein Duo, das nicht nur familiär gut harmonierte, sondern auch sportlich überzeugte. Im Finale trafen sie auf Kai Hawaii (Kai) und Nicht bewegen (Marco). Spin Doctor und Deepu ließen dabei wenig anbrennen und holten sich mit einem klaren 2:0 den Doppeltitel. Familienfrieden gesichert, Sieg eingetütet.

Für die passende Stärkung abseits der Tische war ebenfalls gesorgt. Statt klassischer Grillpause gab es diesmal Weißwürste mit Brezeln, süßem Senf und Weißbier im Steinkrug. Ob das nun leistungsfördernd war, ist sportwissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt – für die Atmosphäre war es jedenfalls ein Volltreffer.

Alles in allem waren die 2. Clickball Open Stuttgart erneut ein voller Erfolg. Es wurde gekämpft, gelacht, taktiert und spätestens nach den ersten langen Ballwechseln auch ordentlich geschwitzt. Clickball zeigte einmal mehr, dass Favoriten nicht immer Favoriten bleiben, ein Schleifpapier-Schläger ganze Spielstile verändern kann und ein goldener Alligator als Trophäe weiterhin erstaunlich begehrt ist.
Hoffentlich dauert es bis zur nächsten Auflage nicht wieder zwei Jahre.

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